[Bild: Dominik Zehnder (links) und Dominic Lachat]

Interview mit Dominic Lachat und Dominik Zehnder

Dominik Zehnder (links) und Dominic Lachat.

Dominic Lachat und Dominik Zehnder sind Inhaber der Nexgen AG, eines Anbieters von Kassensystemen, Mobiler Datenerfassung und ERP-Lösungen für den Handel. Im Interview erzählen Sie, wie Nexgen entstanden ist, geben Einblick in Geschichte und Gegenwart und sagen, wohin sich das Unternehmen entwickelt.

Interview: René Chenevard

Aus dem Mitarbeiter-Blog erfährt man ja schon einiges über euch. Hobbys wie Kochen oder Reisen sind Gemeinsamkeiten. Was habt ihr vor Nexgen gemacht?

Dominik: Ich war Werkstudent bei Panalpina Management AG in der Konzernkonsolidierung während dreier Jahre, danach Finanzverantwortlicher bei der ASETRAgroup AG in Münchenstein. 1999 habe ich die BOON AG gegründet, welche 2003 von der Nexgen AG übernommen wurde.

Dominic: 1998 war ich Leiter Softwareentwicklung und Mitglied der Geschäftsleitung sowie Verwaltungsrat bei Riva Informations Systems AG, aus der später die Nexgen hervorgeht.

 

Woher kennt ihr euch?

Dominik: Nexgen war einer meiner Kunden, und beim sagenhaften Heimspiel des FCB gegen Liverpool (3:3) in der Champions League lernte ich Dominic auch privat kennen, wir verstanden uns gleich hervorragend.

Dominic: Die beiden Dauerkarten des FC Basel bei der Firmenübernahme waren auch so ein Schlüsselerlebnis. Das Schlimme daran war, dass ich als Zürcher und vor allem als GC-Fan den FC Basel jahrelang mit 5500 Franken unterstützen musste. Das war aber die Bedingung von Dominik.

Dominik: Na ja, heute ist das ja kein Problem mehr. (Beide lachen.)

Dominic: Dominik habe ich so kennengelernt: Ich habe die ERP Software Navision an einen Kunden verkauft und dafür Projektleiter sowie Softwareentwickler gesucht. Als Unternehmer brauchte ich damals eine Lösung. Über Navision Schweiz – damals war das noch nicht bei Microsoft – wurde mir die Firma BOON AG von Dominik Zehnder empfohlen und für die Projektleitung sowie für die Softwareentwicklung die Realsoft. Ich habe von da an Navision verkauft und Dominik hat die Umsetzung gemacht, so haben wir angefangen, zusammenzuarbeiten.

 

«Die Geschäfte liefen damals einzig in dem Bereich sehr gut, für den ich verantwortlich war und den wir in einem Management-Buy-out gekauft hatten.»

Was hat euch dazu bewogen, den Schritt zum Unternehmer zu machen?

Dominic: Die Riva Informations Systems AG gehörte damals einem englischen Systemhaus, welches sich aus dem Schweizer Markt zurückziehen wollte. Die Geschäfte liefen damals einzig in dem Bereich sehr gut, für den ich verantwortlich war und den wir in einem Management-Buy-out gekauft hatten. Ursprünglich hatten wir in der Geschäftsleitung eine Lösung mit einem Mitbewerber angestrebt. Dieser hat sich aber im Verlaufe der Übernahme so unglücklich verhalten, dass der Hauptkunde, die Usego (Union Schweizerische Einkaufs-Gesellschaft Olten), nicht mehr wollte, dass der Mitbewerber die Firma übernimmt.  Uns wurde dann angeboten, direkt für die Usego zu arbeiten, aber das wollten wir nicht. Also haben wir Plan B entwickelt, die Nexgen AG.  Wir sind zu neunt gestartet und seither eigentlich immer gewachsen.

Dominik: Für mich war schon immer klar, dass ich nicht in irgendeiner Grossfirma als Angestellter meine berufliche Laufbahn machen wollte; mit Mitarbeitern und Partnern etwas aufbauen hat mich schon immer fasziniert. Die Nexgen AG ist für mich genau das, was ich mir immer vorgestellt habe; mit den Partnern Dominic Lachat und Markus Künzle sind wir über die Jahre zu einem starken Team herangewachsen.

 

Wieso der Name Nexgen?

Dominic: Die Firmengründung ging ja relativ schnell, aber finde mal den Namen für eine Firma. Wir hatten einen externen Berater, der empfahl uns unbedingt einen Namen mit einem X drin.

Dominik: Der Name soll für «Change», Wechsel und Fortschritt, stehen.

Dominic: Im Verlauf des ganzen Naming-Prozesses sind wir auf den Namen Nexgen gekommen, für «next» (nächste) und «generation». Die Idee dahinter: Der Name steht einerseits für die Nachfolgefirma und andererseits fürs Zukunftsorientierte.

 

Was für eine Bedeutung haben die drei «Grösser als»-Zeichen im Nexgen-Logo?

Dominic: 2008 haben wir unsere deutsche Tochter gegründet und in diesem Rahmen gleichzeitig unsere Corporate Identity aufgefrischt. Dazu gehörte auch das heutige Logo mit den drei «Grösser als»-Zeichen. Sie zeigen eine Vorwärtsbewegung und stehen für Kunde, Technologie und Mitarbeiter – die wollen wir voranbringen.

 

Könnt ihr euch noch an den ersten Nexgen-Kunden erinnern?

Dominik: 2003 hat man mir beim Eintritt in die Nexgen gleich die Verantwortung für den Roll-out der 220 Primo- und Vis-à-vis-Läden der Usego übertragen – für mich eine neue Herausforderung, hatte ich mich doch bis dahin vor allem mit ERP-Kunden für Dynamics NAV zu tun.

Dominic: Also ich denke, die ersten paar Jahre galt es vor allem, die Kunden zu halten und zu schauen, wie es weitergeht. Da wir ja einen Management-Buy-out gemacht haben, gab es eigentlich keinen ersten Kunden, sondern wir sind schon mit rund zweihundert Kunden gestartet.

«Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir Nexgen laufend ausbauen konnten.»

Anlässlich des 20-Jahre-Jubiläums lädt Nexgen am 28. Juni zum Fest. Wie steht das Unternehmen heute da?

Dominic: Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir Nexgen laufend ausbauen konnten. Nexgen steht nach zwanzig Jahren mit fünfzig Mitarbeitern kerngesund da. Wir sind eigenfinanziert und haben keine Schulden. Wir konnten im Verlauf der Zeit unser Klumpenrisiko reduzieren, weil wir jetzt einige grosse und viel mittlere Kunden haben. Gleichzeitig haben wir unsere Prozesse so optimiert, dass wir in Zukunft auch weitere grössere Kunden bedienen können. Wir investieren in neue Technologien und in Partnerschaften mit neuen Lösungen. Unser persönliches Netzwerk ist über die Jahre gewachsen.

Dominik: Im Rahmen der Prozessoptimierung haben wir entschieden, mittels TQMidie ISO-9000-Zertifizierung zu absolvieren. Die macht uns noch fähiger, den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

 

Was hat es mit der deutschen Nexgen-Tochter auf sich?

Dominik: Wir wollten in den deutschen Markt, weil der schweizerische limitiert ist.

Dominic: Ja, in Deutschland wollten wir eine Schweizer Kopie der Nexgen etablieren und dort wachsen. Als ersten Kunden haben wir für GDC 48 Filialen mit Kassen bestückt. Zu Hause liefen die Geschäfte aber so gut, dass wir unsere ganze «management attention» auf unseren Heimmarkt Schweiz richten mussten.

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Dominik Lachat (links) und Dominic Zehnder.

Was ist heute der grösste Unterschied zur Gründungszeit?

Dominik: Da sich die Nexgen laufend verändert, ist es eminent wichtig, dass wir immer auch an unsere Mitarbeiter denken und sie auf dem ganzen Weg mitnehmen. Je grösser eine Firma wird, umso wichtiger wird die Kommunikation innen. Was früher bei einem Kaffee besprochen wurde, muss heute unter Umständen geschult werden.

Dominic: Wir haben 1998 mit neun Mitarbeitern begonnen; jeder hat alles gemacht. Früher war der Hotliner auch Techniker. Das könntest du heute nicht mehr machen. Heute haben wir in fast allen Bereichen Spezialisten.

Dominik: Wir mussten damals unsere Prozesse umstrukturieren und Spezialisten in der Logistik einstellen. Jedes Jahr kam ein Kunde dazu, sodass wir das Lager ausbauen mussten. Ein guter Service war damals wie heute sehr wichtig. Heute werden auch die Bestände der Kassen schweizweit überprüft, der Kunde möchte über sein in Umlauf gebrachtes Material – Hardware, Software – informiert sein.

Dominic: Alle unsere Kunden haben jetzt Revisoren, die wissen möchten, welche Lagerbestände vorhanden sind. Wir machen nun auch das Assetmanagement für unsere Kunden.

 

Wie haben sich die Herausforderungen und die IT-Infrastruktur eurer Kunden in den zwanzig Jahren verändert?

Dominic: Als wir das erste System mit Windows 3.11 ausgeliefert haben, war die grosse Challenge die Mausbedienung. Es gab tatsächlich Kunden, welche die Maus mit beiden Händen bedient haben (beide lachen). Im Übrigen sind die Probleme eigentlich die gleichen geblieben. Kunden stecken Kabel aus und wissen nicht wo wieder einstecken.

Dominik: Ich vergleiche unsere Branche gerne mit einem heranwachsenden Kind. Vor zwanzig Jahren war die IT für die meisten noch ein kleines Baby. Viele wussten nicht, wie man damit umgehen sollte und welche Auswirkungen dies auf unsere Zukunft hat. Heute haben wir einen «randalierenden» Jugendlichen, welcher zu jeder Tages- und Nachtzeit unsere Aufmerksamkeit fordert.

«Unser Ziel ist, Ansprechpartner zu sein für die gesamte IT-Infrastruktur, die unsere Kunden im Laden haben.»

Die aktuelle Digitalisierung hat Einfluss auf Hardware und Software. Was wird für die Zukunft wichtig?

Dominik: Wir müssen in der Lage sein, uns laufend zu adaptieren. Das ist nicht gut oder schlecht, sondern einfach Fact in unserer Branche. Das ist normal. In Zukunft wird die Laden-Kamera erkennen, was der Kunde aus dem Regal nimmt. Es muss gar nichts mehr eingetippt oder gescannt werden.

Dominic: Gewisse Herausforderungen in der Wartung bleiben gleich, in anderen Bereichen findet eine «IT-fizierung» statt. Nicht nur PCs, sondern das ganze Internet of Things hat massiv zugenommen. In jedem Laden werden heute und in Zukunft grosse Summen in neue Technologien investiert, um Prozesse zu vereinfachen und so Geld zu sparen. Wir müssen unsere Mitarbeiter fit halten. Wir sind auf dem Weg, heute teilweise und in Zukunft die ganze IT, welche in einem Laden installiert ist, zu warten. Wir wollen das Retail-Kompetenzzentrum der Schweiz werden, das Bindeglied zwischen all diesen technologischen Lösungen. Unser Ziel ist, Ansprechpartner zu sein für die gesamte IT-Infrastruktur, die unsere Kunden im Laden haben. Wir verkaufen, installieren und warten sie.

 

Wo steht ihr selbst und Nexgen in weiteren zwanzig Jahren?

Dominic (lacht): in zwanzig Jahren werde ich längst pensioniert sein und freue mich auf die Einladung zum vierzigsten Jubiläum

Dominik: In zwanzig Jahren bin ich auch pensioniert und werde meine Zeit beim Golfen geniessen.

Dominic: Irgendwann muss man loslassen und Jüngere ans Ruder lassen. Wir hätten damals nie gedacht, dass wir so weit kommen. Aber ich denke, in den nächsten fünf bis zehn Jahren werden wir weiterhin wachsen und so um die hundert Mitarbeiter haben.

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